11. Jänner, Taufe des Herrn, (Mk 1, 7‑11)
Msgr. DDr. Werner Reiss
Markus beginnt sein Evangelium mit der Taufe Jesu, er kennt keine Geburtsgeschichte. Markus (nach dem Jahr 70) ist der älteste Evangelist, und man hat immer wieder versucht, seine Schrift als Protokoll des Auftretens Jesu zu lesen. Weit gefehlt. Wir betreten sofort eine hochkomplexe Christologie (= die Lehre, warum Jesus aus Nazaret zum Heilsbringer wurde). Für Markus stellt sich das Problem, warum Jesus von seinen Zeitgenossen nicht anerkannt wurde, aber von der anwesenden Gemeinde schon. Die Taufszene ist nach dem Vorbild von Prophetenberufungen gestaltet, mit dem Unterschied, dass der Geist der Berufung auf Jesus bleibt ‑ und in diesem Geist stellt er sich allen menschenfeindlichen Mächten entgegen und schafft so Raum für das Reich der Menschen = das Reich Gottes.