Gedanken zum Sonntagsevangelium, Mt 16, 13-19
von Msgr. DDr. Werner Reiss
„Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Gemeinde aufbauen, und auch die Höllenpforten werden sie nicht überwältigen“ (v. 18). Ein heißes Eisen im ökumenischen Dialog. Es gilt als Rechtfertigung der päpstlichen Zentralmacht. Wenn man sich die Stelle genau anschaut, wird das Eisen noch heißer: Petrus wird als der „verehrte Groß‑Rabbiner“ der Urkirche angesprochen, als Sprecher des Zwölfer‑Kreises. Die Entwicklung war konfliktgeladen ‑ mit Paulus und der Stephans‑Tradition. Alle Kirchen sind gut beraten, wenn sie sich auf diese frühe Konfliktgeschichte einlassen. Diese ist verheißungsgebunden, d.h. zukunftsorientiert und zugleich lokal gebunden: Petrus, der Zeuge, und Petrus als Sprecher der Gemeinde. Die Kirche lebt in der Spannung zwischen universalem Auftrag und lokalen Interessen. Ich bin dagegen, dass man den Anspruch zur Universalisierung gleich verwirft, weil das „von oben kommt“. Ich stelle eher den Anspruch an die Kirchenhäupter, dass sie ihrem Auftrag als Vermittlungsinstanzen (dienendes Amt!) nachkommen, in dieser Zeit der Globalisierung nicht nur disziplinär besorgt zu sein, sondern neue Horizonte der Auseinandersetzung zu eröffnen.