St. Johannes-Nepomuk-Kapelle  

Berichte - Details

Konzertrückblick 2009
Dienstag, 27.10.2009

Péter Tóth

Festival der Klänge – 
dritter Konzertabend 
am 17. Oktober 2009

Eine Rückschau von Franz Patocka
 
Auch der Künstler, der den dritten Abend des „Festivals der Klänge“ in der St. Johannes-Nepomuk-Kapelle bestritt, war bereits ein guter Bekannter. Vor zwei Jahren hatte Péter Tóth schon einmal ein Konzert gegeben, und da er damals großen Anklang gefunden hatte, luden wir ihn gerne noch einmal ein, um uns an seinem großen musikalischen Können zu erfreuen. Der mittlerweile 26-jährige ungarische Pianist gilt als eines der hoffnungsvollsten Talente seines Landes, was sich auch in einer Reihe von Preisen niederschlägt. Auch die Kritiken in diversen Zeitungen sparen nicht mit Lob und Anerkennung („ein wahrer Poet am Klavier“, „der Péter Toth mit Yumiko HertelendyHoffnungsträger“ usw.). Seine von der Budapester Musikakademie mit einem Preis ausgezeichnete erste CD ist späten Werken von Franz Liszt gewidmet, und natürlich durfte dieser Komponist in seinem Programm nicht fehlen. Zunächst aber – gleichsam zum Aufwärmen – spielte er das bezaubernde „Andante con variazioni in f-Moll“ des Jahresregenten Joseph Haydn, gefolgt von einem ebenso bezaubernden Impromptu von Franz Schubert. Mit seiner Art der Interpretation, die auf vordergründige Effekte verzichtet und statt dessen den emotionalen Ausdruck sucht, hatte er nach diesen einleitenden Stücken das Publikum schon voll auf seiner Seite. Es folgte nun aber ein ziemlich schroffer Stilwechsel mit der Sonate Nr. 7 von Sergej Prokofjew, einem extravaganten, die Tonalität nur als eine Möglichkeit, nicht aber als einzig wahre Wirklichkeit anerkennenden Klavierwerk. Kein geringerer als Glenn Gould bezeichnete das Stück als eine der besten Leistungen von Prokofjew, und die trotz aller Komplexität immer gewahrte klangliche Durchsichtigkeit in der Interpretation von Péter Tóth machte Appetit auf mehr Musik aus der Feder des großartigen russischen Komponisten.
Péter TóthIm zweiten Teil des Programms war endlich Franz Liszt zu hören: „Funerailles“, „La lugubre gondola Nr. 2“, „Unstern“, Legende Nr. 2“. Hier war der Künstler offenkundig ganz besonders zu Hause: Pathos neben größtmöglicher Schlichtheit, ruhiges Dahinfließen neben abenteuerlicher Virtuosität – für alles liefert die Musik von Liszt genügend Substanz, und ein vielseitiger Künstler wie Péter Tóth scheint für ein solches emotionales Wechselbad bestens gerüstet zu sein. Dass ihm auch der „Ungarische Tanz Nr. 1“ von Brahms/Cziffra wie selbstverständlich aus den Fingern fließt, braucht wohl nicht betont zu werden. Wer nun ein Feuerwerk in Fortissimo und rasendem Tempo erwartet hatte, bekam als Zugabe jedoch das Gegenteil serviert: Recht hat er – für Schumanns „Träumerei“ ist jedes Publikum der Welt dankbar!


www.johanneskapelle.at 03.12.2022